Haiku
Morgentau auf der Rosenknospe / immer wiederkehrendes Nass / einstiger Tränen
Das Leid der Seelen
Das ist ein Leid der guten Seelen, dass sie sich selbst mit Zweifeln quälen
Das ist ein Leid mit edlen Seelen, dass sie zum rechten Zeitpunkt fehlen
Das ist ein Leid der wahren Seelen, dass derer nur so wenig zählen
Doch bleibt ein Trost den guten Seelen, dass sie einander nicht verfehlen
Kind der Sonne
Ich bin ein Kind des Sonnenscheins,
genieß die Leichtigkeit des Seins,
verspür`ich warme Sonnenstrahlen,
nichts Böses kann mir widerfahren.
Doch bleibt sie aus, die liebe Sonne,
so schwindet meines Lebens Wonne,
im Grau, nur, muss ich vegetieren,
und lauf Gefahr mich zu verlieren.
Jahreszeiten – Haiku
Kirschbaum im Garten / Knospen von zartem Grün / lautlose Entfaltung
Kirschbaum im Garten / strahlende Blüten / Schnee aus weissen Blättern
Kirschbaum im Garten / noch blasse Früchte / Krähen in Erwartung
Kirschbaum im Garten / dem fallend Laub im kalten Herbstwind / folgt langer Schlaf des Vergessens
Diverses
~ In meinem Herz, an Freundes Brust, mir meines Menschenwerts bewusst, fühl ich das Glück und auch zugleich, auf Erden hier, mein Himmelreich ~
~ Mögt ihr auf jene Menschen bauen, die tragen Seele im Gesicht, in reinem, kindlichen Vertrauen, enttäuschen diese sicher nicht ~
~ Du wirst in meinen Liedern leben, die nur allein sind dir geweiht,
zum Abgott will ich dich erheben,
im Tempel der Unsterblichkeit ~
Mückenplage
Ein paar warme Frühlingstage,
schon ist sie da, die Mückenplage.
Kaum legst du dich zum Schlafen hin,
hat dieses Biest nur eins im Sinn:
dein Blut, das will es aus dir saugen,
schwirrt um die Nase, Ohren, Augen,
schlägst um dich, glaubst du kannst`s verjagen,
entnervt willst du es an den Kragen.
Du machst ein Licht und gehst es suchen,
doch findest nichts, beginnst zu fluchen.
Kaum wieder dunkel, legst dich nieder,
da hörst du dieses Untier wieder.
So geht das zu, die halbe Nacht,
hast kaum ein Auge zugemacht…
Und trotzdem hat es dich gebissen,
s`ruht satt gesauget hinterm Kissen,
und lauert auf die nächste Nacht,
die abermals zum Opfer macht,
was an Größe weitaus überragt.
Du siehst, so ist zum Überleben,
dem Schwachen, ihm ein Stachel auch gegeben…
Feiertage
Ach, die lieben Feiertage,
ein einzig Fress-und Saufgelage.
Da kommen Onkel und die Tanten,
die ganzen lieben Anverwandten,
zusammen an die üppig Tafel,
und schmausen, grunzen mit Geschwafel.
Dann, zwischen Suppe und Dessert,
muss ein Sonntagsbraten her.
Getränkt wird`s Mahl von Lästerei,
über jene, die nicht am Tisch dabei.
Ihr sagt, bei euch sei`s anders?
Das glaubet auch wer`s will!
Ihr haltet mich zum Besten,
doch ich schweig, besser wissend, still.
Die Birke
Birkenlaub vom letzten Jahr unter meinen Füssen,
doch die Zweige knospen schon, die mich grün begrüssen.
Ein alter Baum, der leblos schien, steht hier in vollem Saft,
und zeigt, dass in der Ruhezeit, gesammelt hat, enorme Kraft.
Sonntags
Sonntags wird in unsrer Stadt zum Kirchgang aufgerufen,
dann hört man weder böses Wort, noch einen Bauer fluchen.
Ein jeder putzt sich fein heraus und watschelt in die Kirch`,
und von der Kanzel predigt wild, der alte Pfarrer Schnirch.
Lass sie nur zieh`n, seit Zeiten schon, so ist die Landidylle,
ich sitz derweil im “Schwarzen Schwan”, und lobe mir die Stille.
Blaues Band
Ach, wie ist der Frühling herrlich,
wenn er zeigt sein blaues Band,
alles spriesset, alles blühet,
in den Gärten, auf dem Land.
Und, er macht das Leben herrlich,
wenn die Sonne strahlt ins Land,
und gar alles, sei´s beschwerlich,
geht so einfach von der Hand.
Die neue Zeit ist angesagt,
der Winter längst nicht mehr gefragt,
wenn zieht mit blauem Bande,
der Frühling übers Lande.